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{{Infobox Pflanzenöl
|Name = Rapsöl
|Bild =
|Rohstoffpflanze(n) = * Raps ''(Brassica napus)''
  • Ölrübsen ''(Brassica rapa'' subsp. ''oleifera)''

|Herkunft = Samen
|Farbe = hellgelb bis bernstein
|Ölsäure = 51?70 %<ref name="DGF" />; bis 84 % (HO-, HOLL-Raps)<ref name="Joh">Johann Vollmann, Istvan Rajcan: ''Oil Crops.'' Springer, 2009, ISBN 978-0-387-77593-7, S.?99, .</ref>;
(13?38 % alte Sorten)<ref name="Röm">Jürgen Falbe, Manfred Reglitz: ''RÖMPP Lexikon Chemie.'' Band 5: ''Pl?S'', 10. Auflage, Thieme, 1998, ISBN 978-3-13-735010-1.</ref>
|Linolsäure = 15?30 %<ref name="DGF">Deutsche Gesellschaft für Fettwissenschaft: '''', abgerufen 28. August 2010.</ref>; 5?13 % (HO-, HOLL)<ref name="Joh" /><ref name="Sond" />;
(10?22 % alte Sorten)<ref name="Röm" />
|Linolensäure = 5?14 %<ref name="DGF" />; bis 3?5 % (HO-, HOLL-Raps)<ref name="Joh" /><ref name="Sond" />;
(2?10 % alte Sorten)<ref name="Röm" />
|Palmitinsäure = 2?7 %<ref name="DGF" />; 3?4 % (HO-, HOLL-Raps)<ref name="Joh" /><ref name="Sond" />
2?3 % (alte Sorten)
|Weitere Fettsäuren = Stearinsäure 1?3 %, Erucasäure 0,2?1,2 %<ref name="DGF" /> (35?64 % alte Sorten), Gadoleinsäure 1?3 %, (alte Sorten 5?10 % Gondosäure, Gadoleinsäure und Nervonsäure)<ref name="Röm" />
|? gesättigte Fettsäuren = 6 %
|? einfach ungesättigte Fettsäuren = 66 %
|? mehrfach ungesättigte Fettsäuren = 27 %
|Vitamin A =
|Vitamin B =
|Vitamin E2 =
|Phosphor =
|Schwefel =
|Weitere Inhaltsstoffe = Tocopherol bis 2500 mg/kg, Phytosterine 5?11 g/kg<ref name="Ulm" />
|Dichte = 0,91?0,917?kg/l bei 15?°C<ref name="Ulm">''Ullmann's Food and Feed.'' Vol. 2, Wiley, 2017, ISBN 978-3-527-33990-7, S.?659, 661, 665, 721 f.</ref>
|Viskosität = <math>\nu</math> = 72?mm2/s bei 20 °C<ref name="FNR">FNR: (PDF; 768?kB), Stand: Juni 2010, abgerufen 28. August 2010.</ref>
|Oxidationsstabilität = 3?5,5 h (kaltgepresst)
|Schmelzpunkt = ?2 bis ?10 °C
|Rauchpunkt = 130?°C (kalt gepresst);
200?°C (raffiniert)
|Flammpunkt = 275?290?°C<ref name="Ulm2" />
|Jodzahl = 97?126<ref name="Ulm2" /><ref name="Alain" />
|Verseifungszahl = 168?193<ref name="Ulm2">''Ullmann's encyclopedia of industrial chemistry. ''Vol A 10, ''Fats and oils'', VCH, Weinheim 1995.</ref><ref name="Alain">Alain Karleskind: ''Manuel des corps gras.'' 2. Volumes, AFCEG, TEC DOC, Paris 1992, ISBN 978-2-85206-662-5.</ref>
|Brennwert = 39,7?MJ/kg
|Cetanzahl = 37,6; 40<ref name="FNR" />
|Produktion weltweit = 18,4 Mio. Tonnen (2007/08)<ref name="LfL">Siegfried Graser, N. Jack, S. Pantoulier (Hrsg.): ''Agrarmärkte 2007.'' Bd. 4, Schriftenreihe der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Freising-Weihenstephan 2008, , S.?78?96, online (PDF; 3,22?MB), abgerufen am 11. Mai 2017.</ref>;
29 Mio. Tonnen (2014)<ref name="FAO">''FAO Statistik 2014''.</ref>
|Wichtigste Produktionsländer = EU, China, Kanada, Indien
|Verbrauch weltweit =
|Wichtigste Verbrauchsländer =
|Verwendung = Speiseöl, Futtermittel, Biokraftstoffe, Oleochemie
}}

'''Rapsöl''' (auch ''Rüböl'', ''Rübsenöl'', ''Kolzaöl'' oder ''Kohlsaatöl'') ist ein pflanzliches Öl, welches aus den Samen vom Raps (''Brassica napus'') oder seltener auch von dem nahen Verwandten, dem Ölrübsen (''Brassica rapa'' subsp. ''oleifera''), gewonnen wird.<ref name="FNR Pflanzen Industrie">Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR): ''Pflanzen für die Industrie'' (PDF; 1,5?MB), Gülzow 2005, 4. überarbeitete Auflage, 47-seitige Broschüre, abgerufen 28. August 2010.</ref>

Ursprünglich hatte Rapsöl einen hohen Anteil an Bitterstoffen und der ernährungsphysiologisch bedenklichen Erucasäure und wurde daher kaum in der Ernährung eingesetzt, sondern vor allem als Lampenöl, Schmiermittel und Grundstoff für die Seifenherstellung.<ref name="FNR Pflanzen Industrie" />
Seit der Züchtung von ).<ref name="LfL" />

Rapsölgewinnung

''Vergleiche: Raps und Ölmühle''

Rapsöl wird in Ölmühlen durch Pressung oder Extraktion der Rapssaat gewonnen. Hierbei kommen folgende Verfahren zur Anwendung:

Der Ölgehalt beträgt etwa 40 bis 50 %, die Ausbeute etwa ein Drittel der Saat. Die verbleibende protein- und energiereiche Rapssaatmasse (Rapskuchen, Rapsexpeller oder Rapsextraktionsschrot) ist ein wichtiges Koppelprodukt und wird meist als Futtermittel genutzt.

Bei der Herstellung von Rapskernöl werden vor der Pressung die schwarzen Schalen der Rapssaat entfernt und so ausschließlich die gelben Kerne verarbeitet. Dies verhindert die Einbringung der Bitterstoffe aus der Schale der Saat in das Öl.

Zusammensetzung

''Siehe: Pflanzenöle''

Pflanzenöle bestehen aus Triacylglyceriden, in denen drei Fettsäurereste gemeinsam über Esterbindungen an einen Glycerinrest gebunden sind (siehe Abbildung von Triolein: Triacylglycerid mit drei Ölsäureresten). Die unterschiedlichen Pflanzenöle unterscheiden sich durch die Art und die Anteile der Fettsäurereste in den Triacylglyceriden.

Die alten Sorten weisen einen hohen Anteil an Eruca-, Gondo-, Gadolein- und Nervonsäure auf, auch die Sorte ''Plusnull-Raps'' (+0-Raps) enthält viel Erucasäure. Diese Sorten werden als HEAR-Raps (High Eruic Acid Rapeseed) bezeichnet. Die neueren Rapsöle der 0-Qualität bzw. der heute überwiegend angebauten 00-Qualität haben reduzierte (0,5?1,5 %) bzw. fast keine (< 0,1 %) Gehalte an der Fettsäure Erucasäure (Low Erucic Acid Rapeseed, LEAR; ''Canola''). Weiterhin besteht 00-Rapsöl aus hohen Anteilen an einfach ungesättigten Fettsäuren, wie insbesondere der Ölsäure. Daneben wird auch der ''HO-Raps'', welcher einen erhöhten Ölsäureanteil aufweist und der ''HOLLi-Raps'' mit veränderter Fettsäurezusammensetzung zur Ölgewinnung genutzt.<ref name="Thom">Thomas Miedaner: ''Kulturpflanzen.'' Springer, 2014, ISBN 978-3-642-55292-2, S.?196 f.</ref>

Der Anteil an essentiellen Fettsäuren, insbesondere der ?-Linolensäure, ist um ein Mehrfaches höher als beispielsweise beim Olivenöl.<ref name="UFOP Rapsmagazin">Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) e.?V.: ''Rapsmagazin 2009'' (PDF; 2,31?MB), 30-seitige Broschüre, abgerufen 28. August 2010.</ref>

Kaltgepresstes Rapsöl weist einen weitaus höheren Anteil an .</ref><ref name="PEKKARINEN">Satu Pekkarinen et al.: ''Effect of processing on the oxidative stability of low erucic acid turnip rapeseed (Brassica rapa) oil.'' In: ''Lipid/Fett.'' Volume 100, Issue 3 (1998), S.?69?74, .</ref>

Neben dem ''Doppelnull-Raps'' mit verringerten Anteilen an Erucasäure wurden und werden auch andere Sorten mit veränderten Fettsäureanteilen gezüchtet. Durch höhere Anteile an Ölsäure kann z.?B. die Eignung als Frittierfett verbessert werden. Bei ''Erucaraps'' ist der Anteil an Erucasäure auf 55 % erhöht, um so den Bedarf an dieser Fettsäure in der Oleochemie oder für die kosmetische Industrie decken zu können.<ref name="FNR Pflanzen Industrie" />

Verwendung

Technische Verwendung

''Vergleiche: Biokraftstoff, Biodiesel sowie Hydriertes Pflanzenöl''

Rapsöl wird heute insbesondere in Europa vor allem für die Produktion von Biokraftstoffen eingesetzt. Ein kleinerer Teil wird als Pflanzenöl-Kraftstoff verwendet, während der größere Anteil durch Umesterung in Biodiesel (Fettsäuremethylester [FAME] bzw. genauer Rapsmethylester [RME]) umgewandelt wird.<ref name="FNR" /> Dabei fallen als Nebenprodukt große Mengen an Glycerin an. Zukünftig wird auch eine Verwendung in Kraftstoffen als Hydriertes Pflanzenöl erwartet.

Als Rohstoff (Nachwachsender Rohstoff) für die stoffliche Verwendung in der Industrie wird Rapsöl vielseitig verwendet. Der größte Teil wird für technische Zwecke verwendet. In der pharmazeutischen und kosmetischen Industrie dient es zur Herstellung medizinischer Salben und kosmetischer Formulierungen. Stoffliche Anwendungen für Rapsöl sind unter anderen:<ref name="FNR Pflanzen Industrie" />

Gehärtetes Rapsöl (Rapswachs) kann zu Kerzen verarbeitet werden.

Ernährung

Rapsöl wurde ursprünglich für technische Zwecke (als Schmiermittel etc.) produziert. Für die Ernährung wurde es erst durch veränderte Sorten interessant, die einen reduzierten Gehalt an Bitterstoffen aufweisen. Seit dem Ende des zwanzigsten Jahrhunderts hat die Verwendung von Rapsöl in der Ernährung, als Speiseöl und zur Herstellung von Speisefetten (Margarine), stark zugenommen. Zur Beurteilung der sensorischen Qualität von kaltgepressten (?nativen?) Rapsölen hat die Deutsche Gesellschaft für Fettwissenschaft (DGF) das ?DGF-Rapsölpanel? (zu deutsch etwa: ?Gremium/Ausschuss für die Bewertung von Rapsöl?) eingerichtet und vergibt seit 2006 jährlich DGF-Rapsölmedaillen für ausgezeichneten Geschmack nativer Rapsspeiseöle.

Marktbedeutung

Weltweit gehört Rapsöl mit ca.?29 Mio. Tonnen (2014) neben , Mai 2017, abgerufen am 12. Mai 2017.</ref>

Rapsanbau in Deutschland

''Hauptartikel: Raps''

Zu Anfang der 1970er Jahre hatte der Rapsanbau mit unter 100.000?ha (<?1 % der Ackerfläche) eine geringe Bedeutung. Von 1974 bis 1976 wurde der sogenannte ''Nullraps'' (0-Qualität) eingeführt, bei dem der hohe Anteil an Erucasäure züchterisch auf nun 0,5 bis 1,5 % verringert worden war. In den Jahren 1986/87 wurde der ''Doppelnullraps'' (00-Qualität) mit nun unter 0,1 % Erucasäureanteil und verringertem Bitterstoffgehalt (Glucosinolate) eingeführt. Die Anbaufläche stieg seit 1986 von etwa 400.000?ha auf 1,47?Mio.?ha (rund 12 % der Ackerfläche) im Jahr 2009.<ref name="UFOP Raps D" /><ref name="BMELV Ernte 09">Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV): ''Ernte 2009: Mengen und Preise'' (PDF; 299?kB), Publikation auf nova-institut.de, 26. August 2009, 26?S., abgerufen 28. August 2010.</ref>
In den Jahren 2002 bis 2007 lagen die durchschnittlichen Hektarerträge zwischen 2,9 und 4,3?t Rapssaat. 2009 wurde eine Gesamternte von 6,21?Mio.?t erzielt.<ref name="BMELV Ernte 09" />
In Deutschland wird fast ausschließlich ''Winterraps'' angebaut.

Verwendung in Deutschland

2006/07 wurden in Deutschland 6,5?Mio.?t Rapssaat verarbeitet.<ref name="LfL" />
Die Verarbeitungskapazitäten bzw. die tatsächlich verarbeitete Menge liegt deutlich über der im Inland produzierten Menge, weswegen ein bedeutender Anteil durch Importe gedeckt wird.<ref name="UFOP Raps D" />
2,67?Mio.?t (3,54?Mio.?t 2014)<ref name="FAO" /> Rapsöl wurden produziert und machten damit 77 % der gesamten Produktion an pflanzlichen Ölen und Fetten aus. 90 % des Öls wurden weiterverarbeitet. Das meiste Rapsöl wurde für technische Anwendungen, wie vor allem für Biokraftstoffe, verwendet (1,58?Mio.?t).<ref name="LfL" /> Mit 21,8 % wurde ein kleinerer Anteil des Rapsöls zu Nahrungsmitteln verarbeitet (>?33 % Speiseöl, >?25 % Nahrungsmittel, etwa 25 % Margarine, etwa 10 % zu Sonstigem).<ref name="LfL" />

In Deutschland lag der Anteil von deklariertem Rapsöl am Speiseölmarkt im Jahr 2007 bei 11,2 %. Noch im Jahr 2003 hatte er bei lediglich 4,8 % gelegen.<ref name="UFOP Raps D" /><ref name="LfL" /> Durch nicht offen deklariertes Rapsöl, das unter der Bezeichnung ''Pflanzenöl'' verkauft wird, ergibt sich insgesamt ein Marktanteil, der mit dem von Sonnenblumenöl vergleichbar ist. Da Rapsöl durch seinen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren als wertvoll für die Ernährung angesehen wird, wird mit weiterhin steigender Bedeutung gerechnet.

Perspektiven

''Vergleiche: Biokraftstoff''

Der Bedarf an Pflanzenöl nimmt weltweit stark zu. Von 2001/02 bis 2008/09 stieg die Produktion um über 47 % von 90,5 auf 133,7 Mio.?t. Die Produktion von Rapsöl stieg in dem Zeitraum von 13,3 auf 19,4 Mio.?t (+ 46 %). Auch in Deutschland fand ein starker Ausbau statt (siehe oben: ''Rapsanbau in Deutschland''). Da Rapsöl vor allem für Biokraftstoffe verwendet wird, hängt dessen zukünftige Bedeutung stark von der weiteren Förderung dieser Kraftstoffe ab. In Deutschland wurden sie zunächst durch eine Steuerbefreiung unterstützt. 2006 wurde eine sukzessive Aufhebung festgelegt und stattdessen mit dem Biokraftstoffquotengesetz eine Beimischungspflicht von Biokraftstoffen zu den fossilen Kraftstoffen (Biokraftstoffquote) eingeführt. Diese Umstellung führte zunächst zu einem Einbruch des Biokraftstoffabsatzes und damit des Rapsölabsatzes. Die Beimischungsquote sollte 2009 zunächst 6,25 % betragen, wurde aber am 18. Juni 2009 rückwirkend auf 5,25 % gesenkt. 2010 bis 2014 soll sie 6,25 % betragen und ab 2015 steigen und 2020 10 % betragen.

In Deutschland steht Rapsöl in der Verarbeitung an erster Stelle. 2008 wurden rund 3,2?Mio.?t Rapsöl produziert, das sind 80 % der gesamten Pflanzenölerzeugung. Zudem wurden 0,5?Mio.?t importiert, der Export belief sich ebenfalls auf 0,5?Mio.?t.

Bewertung der Rapsölnutzung

''Siehe: Bioenergie''

Rapsöl wird hauptsächlich als Kraftstoff bzw. zur Kraftstoffherstellung verwendet. Diese Nutzung bzw. die davon erhofften Vorteile und Nachteile werden diskutiert. Pflanzliche Kraftstoffe ersetzen Kraftstoffe fossiler Herkunft. Damit dies in nennenswertem Umfang geschehen kann, müssen aber bzw. Flächenkonkurrenz)''.

Der Ertrag pro Flächeneinheit ist, verglichen mit anderen Rohstoffen zur Biokraftstoffherstellung, teilweise deutlich geringer. Allerdings sind Faktoren wie Wirtschaftlichkeit, Energiebilanz des Gesamtprozesses (z.?B.: inklusive Herstellung), Umwelt- und Klimaverträglichkeit etc. zu berücksichtigen, so dass ein ganzheitlicher Vergleich relativ aufwendig ist ''(siehe Artikel: Biokraftstoff)''.

Bei der Klimaverträglichkeit der Rapsölnutzung wird insbesondere über die Emissionen des starken Klimagases Lachgas (300-mal so stark wie Kohlenstoffdioxid) während des Rapsanbaus diskutiert.

Der Anbau von Raps erfordert einen relativ hohen Aufwand an Düngung und Pflanzenschutz, weshalb der vermehrte Anbau in den vergangenen Jahrzehnten umstritten ist. Diesen Nachteilen stehen Vorteile gegenüber, wie Ressourcenschonung, verringerte Abhängigkeit von Rohstoffimporten, Stärkung der regionalen Wirtschaft etc., die ebenfalls schwierig zu gewichten sind und eine Gesamtbewertung der Rapsölnutzung erschweren.

Weblinks

Einzelnachweise